Rede von Jörg Nickel auf Parteitag im Mai 2007 zum Thema "Grüne Horizonte - Lebensland"

Ökologische Politik ist kein Selbstzweck. Ökologische Politik hat nichts mit "Gutmenschentum" oder "Bedenkenträgerei" zu tun. Allerspätestens nach den Klimaberichten der Vereinten Nationen sollte auch die Letzte und der Letzte verstanden haben, dass wir uns eine andere als eine radikal-ökologische Politik gar nicht mehr leisten können.

Und da dürfen wir uns nicht darauf beschränken, Forderungen an die Entscheidungsträger in Politk und Wirtschaft zu stellen. Das werden wir sowie so weiter tun und nicht zu knapp. Nein, wir müssen uns auch wieder trauen, über unseren eigenen Lebensstil nachzudenken. Wenn 20 Prozent der Weltbevölkerung 80 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verursachen, ist das zutiefst ungerecht!

Im Internet gibt es die Möglichkeit, anhand der eigenen Lebensweise den persönlichen "ökologischen Fussabdruck" zu ermitteln. Wenn das mal jemand von euch gemacht hat, wird sie oder er gemerkt haben, auch eine Grüne oder ein Grüner ist weit davon entfernt, eine weiße oder besser: grüne Weste zu haben.

Wir müssen, wie in unseren Anfängen, wieder den Mut haben, über unseren eigenen Lebensstil nachzudenken. Das muss keine geringere, sondern das wird eine andere Lebensqualität bedeuten. Dies ist unsere verdammte Pflicht, wenn wir glaubwürdig über internationale Solidarität sprechen wollen.

Auf der anderen Seite müssen wir uns für eine andere, eine intelligentere, gerechtere und Grüne Wirtschaftspolitik einsetzen. Gerade hier in Schleswig-Holstein haben wir in 9 Regierungsjahren bewiesen, dass man mit Grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann. Dass wir heute hier 30 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien gewinnen, wäre ohne die Grünen nicht denkbar gewesen. Und in diese Richtung muss es weiter gehen! Wir wollen Schleswig-Holstein zum High-Tech-Land für grüne Spitzentechnologie werden lassen. Das Green Valley im Norden!

Hier in den Norden sollten wir die Köpfe locken, die Winderäder noch besser machen, die preiswerte Leichtbauautos entwickeln, die Solarzellen und Batterien effektiver machen und damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen lassen. Das ist unsere Chance!

In Bayern sagt man "Mit Laptop und Lederhose" wir hier sagen "mit Fischerhemd und Fotovoltaik"!!!

Für einen effektiven Klimaschutz braucht es aber noch weiterer Maßnahmen. Inzwischen fordert sogar schon die Junge Union, dass die Kfz-Steuer auf den Benzinpreis aufgeschlagen werden soll. Da deuten sich ja ganz neue Allianzen an! Wir nennen so etwas Ökosteuer und die wollen wir weiterentwickeln! Alle Produkte sollen ihre ökologische Wahrheit sagen! Ein Joghurt der durch halb Europa gekarrt wird, soll teuerer sein, als einer, der in einer Meierei in Dithmarschen gemixt wird. Und ein Flug von Hamburg nach New York, bei dem jeder Passagier soviel CO2 verbraucht, wie 40 Kühlschränke in einem Jahr, auch hier soll der Flugpreis die ökologische Wahrheit sagen.

Darum schlagen wir vor, auf den Flughäfen in S-H, und das werden ja glücklicherweise immer weniger, eine Klimaabgabe auf jeden Flug zu erheben. Es kann doch nicht sein, dass eine Fahrt mit der Bahn nach München nicht nur länger dauert als ein Flug, sondern auch noch das Doppelte und Dreifache kostet!

Wir müssen uns Gedanken machen über andere Formen der Mobilität. Gerade angesichts der demografischen Entwicklung und in einem Flächenland wie S-H müssen wir Grüne Antworten bieten. Die Aussage "auf dem Land geht nix ohne Auto" dürfen wir nicht gelten lassen!

Die Antwort muss kein hochsubventionierter Personen-Bus sein, der fast leer über Land fährt. Das wäre ökologisch kontraproduktiv- Wenn Menschen aus Altersgründen nicht mehr so mobil sind oder aus guter ökologischer Überzeugung nicht mehr so mobil sein wollen, dann muss die Infrastruktur eben zu den Menschen kommen. Rollende Behörden, Banken, Kultur- und Lebensmittelbusse sind da nur einige Ideen, wie man den Individualverkehr auch in einem Flächenland verringern könnte.

Die Demografie stellt uns aber auch noch vor andere Herausforderungen. Ein höherer Bedarf an Pflege und Versorgung auf der einen Seite, immer mehr junge und aktive Alte auf der anderen Seite.

Bei der Versorgung älterer Menschen sollen die noch aktiven Alten eine Schlüsselrolle spielen. Und dabei geht es nicht um "Grüne Damen" (das hat ausnahmsweise nichts mit Politik zu tun), Grüne Damen, die ehrenamtlich in Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten. Es geht um ein Modell der Sozialpatenschaften, bei dem die geleistete Arbeit auf einem Dienstleistungskonto gutgeschrieben wird.  Auf diese Weise erwerben die Menschen, die sich für andere engagiert haben, den verbrieften Anspruch auf eine bessere Versorgung, wenn sie später selbst auf Hilfe angewiesen sind.

Schleswig-Holstein hat ein enormes Potenzial für Tourismus, Gesundheitsvorsorge, Wellness und Freizeit. Zu uns sollen ältere Menschen, Familien und Sportbegeisterte kommen. Dieses Potenzial haben wir noch lange nicht erschlossen – im Einklang mit der Natur das Leben genießen, das geht besonders gut bei uns im Norden.

Ihr seht, liebe Freundinnen und Freunde, S-H, das Land der Horizonte, hat auch am grünen Horizont eine Menge zu bieten. Soweit einige unserer Ideen, wie wir S-H zu einem Grünen Lebensland machen wollen. Vielen Dank.

 

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